Gingst. "Feuer ! Feuer ! Gingst brennt ! 25. August 1950 - Das Leben verläuft bis kurz nach Mittag in der gewohnten Weise. Kein Einwohner ahnt die drohende Gefahr. Wenn auch das Tempo der Arbeit den Tag bestimmt, das Mittagessen wird in aller Ruhe verzehrt.
14 Uhr - Zwei Jungen, sechs und acht Jahre alt, finden Zündhölzer. Spielen wollen sie damit, nur spielen, weiter nichts. Keiner von ihnen denkt dabei an die mahnenden Worte der Eltern von Streichhölzern in Kinderhand. Schnell laufen sie in die Scheune des Bauern Köpke. Dort ist es schön, dort kann man ruhig spielen. Aber aus Spiel wird Ernst. Das Stroh fängt Feuer. Die ersten Rauchwolken ballen sich über der Scheune und bald über ganz Gingst zusammen.
Die ersten Alarmrufe gellen durch den Ort. Voller Schrecken stürzen die in den Wohnungen weilenden Menschen aus den Häusern und stellen vor den Türen mit Entsetzen fest, daß auch ihr eigenes trockenes Strohdach bereits von den hellen Flammen ergriffen ist. Was tun ? Wie gelähmt sind einige Einwohner. Wer besonnen in diesen nur wenigen Minuten ist, der löst den Feueralarm aus. Von den Feldern, aus der Umgebung eilen die Helfer herbei."
So wurde der Tag in einer Veröffentlichung des Rat der Gemeinde Gingst 1985, zum Anlaß 35 Jahre Wiederaufbau nach der großen Brandkatastrophe am 25. August 1950, geschildert. Ein Tag, der noch vielen Einwohnern des Dorfes im Gedächtnis verbleibt. Viele von ihnen, die damals den Brand erlebten und beim Wiederaufbau halfen oder gar selbst ihr Hab und Gut durch die Flammen verloren, wohnen auch heute noch in Gingst.
Drei unendlich lange Stunden wütete der Brand damals, der alte Ortsteil wurde fast vollständig ausgebrannt (Foto rechts). Heute erinnern sich die Augenzeugen vor allem an die Hilfsbereitschaft unter einander. Jeder half jedem. Diejenigen, die ihre Wohnungen verloren, wurden in den verschohnten Häusern aufgenommen. Man sammelte Geld- und Sachspenden. Die letzten Glutreste waren noch nicht ganz erloschen, da begannen bereits die Aufräumarbeiten.
Unermüdlich gehen die Freiwilligen den Trümmern zu Leibe. Was am Tage nicht geschafft wird, setzt man nachts im Scheinwerferlicht fort. Aus 15 Kreisen Mecklenburgs kommen jugendliche Helfer. Als dann alle Trümmer beseitigt worden waren, wurden bereits die Baugruben ausgeschachtet. Am 13. Oktober 1950 heißt es : "In wenigen Stunden zerstört - In sechs Wochen wieder aufgebaut". Die Brandgeschädigten können in ihre neuentstandenden Heime ziehen. In Gingst feiert man dieses Ereignis mit einem großen Fest (Foto links).
Am 25. August diesen Jahres will man an die Katastrophe erinnern. In diesem Fall von einem Jubiläum zu sprechen, wäre wohl mehr als pietätlos. Doch soll die Hilfsbereitschaft der Menschen nicht vergessen werden. So werden am 25. August, pünktlich um 14 Uhr, erneut die Alarmsignale ertönen. Mit dem Alten Löschfahrzeug wird eine Löschübung präsentiert, danach wird auch das neue Löschfahrzeug gezeigt. Um 15 Uhr wird in der Gingster Kirche ein Gottesdienst abgehalten und um 16 Uhr eröffnet eine umfangreiche Ausstellung in den Gingster Handwerksstuben.
Diese Ausstellung mit Originalfotos und alten Erinnerungen wird bis zum 13. Oktober zu sehen sein. Um 19 Uhr findet dann eine Erinnerungsveranstaltung statt. Hierbei werden Beteiligte über die Geschehnisse vor 50 Jahren berichten. Ebenso wird ein Videofilm gezeigt, der die Katastrophe um den Brand dokumentiert. Ermöglicht wurde dies durch Eckard Klingbeil, der den Film damals vor den "hohen Gewalten" rettete. Er und seine Frau Erika sind es im übrigen, die diesen Erinnerungstag initiieren. Von ihnen kommen nahezu alle Zeitdokumente, die dann in der Ausstellung zu sehen sein werden.
Artikel aus "Der Rüganer" von Christian Thun (Ausgabe 10, August 2000)